Teil 4 Der Zusammenstoß mit der Birke und seine Folgen
Wie ich oben beschrieben habe, gewann das Flugzeug, nachdem es den tiefsten Punkt seines Sinkfluges überschritten hatte, im Waldgebietes der Zone 6 an Höhe.
Nur 30 Meter weiter stellt sich ihm auf der Fluglinie eine großer Baum — die Birke — in den Weg (Zone 7). Als das Flugzeug bereits eine Höhe von 5 Metern erreicht hat, rammt des Ende der linken Flugzeugtragfläche die Birke. Ein 4 Meter großes Stück des Tragflächenendes bricht ab (zu erkennen an der Schnittlinie der abgetrennten Äste).
Außer an der Stelle des Zusammenpralls sind keine weiteren Beschädigungen am Baum zu erkennen, womit sich bestätigt, dass er genau an der Stelle des Zusammenpralls abbrach. Der Wipfel der Birke stürzte in Richtung Flugzeug und schnitt dessen Kurs.
Das Grundstück, auf dem die Birke stand, ist von einem Zaum umgeben und mit Abfall und Gerümpel zugeschüttet worden, deshalb sieht es aus wie ein Müllplatz.
Auf dem Grundstück sind keine Überreste des Flugzeugs zu finden. Gäste des Smolensker Forums wollen dort einige Stücke der Tragfläche gesehen haben, die aber zwecks Untersuchung des Absturzes sofort nach der Katastrophe eingesammelt worden sind.
Der Baum ist in Folge des Zusammenpralls abgebrochen und in der Nähe der Bruchstelle auch stark abgeschrammt.
Das lässt darauf schließen, dass die Tragfläche während des Zusammenpralls ernsthaft beschädigt wurde. Die abrechenden Teile der Tragfläche hobelten den Baumstumpf mit ihren scharfen Kanten nahe der Stelle des Zusammenstoßes geradezu ab.
Ergänzung vom 22.04.2010.
Nur wenige Tage nach dem diese Zeilen geschrieben wurden, konnte der Ort der Zerstörung der linken Tragfläche dokumentiert und bestätigt werden.
Dem Zusammenstoß mit der Birke folgte eine plötzliche Kursänderung — das Flugzeug zog nach links und bekam eine linke Schlagseite. Auch das bestätigt die Version, laut der die linke Tragfläche zerstört wurde. Die Kursänderung könnte dadurch zustande gekommen sein, dass das Flugzeug beim Aufsetzen der Resttragfläche auf der Birke ausgehebelt wurde. Die Kursabweichung war aber sehr gering. Eine starke Abweichung ist erst etwas später eingetreten.
(Im Nachhinein hat man mir erklärt, dass eine Kursabweichung infolge des Zusammenpralls mit der Birke sehr unwahrscheinlich sei, da das Flugzeug zu groß war. Hauptursache der Kursabweichung sei demnach eine Schlagseite im Resultat des Zusammenstoßes bzw. als Folge der Zerstörung der Tragfläche gewesen.
Die Schlagseite des Flugzeugs ist auf der Fotoaufnahme der Zone 8 deutlich zu sehen.
Die Fotoaufnahme wurde auf der Achse der Fluglinie entgegen der Bewegungsrichtung des Flugzeugs aufgenommen. Es ist zu sehen, dass die Höhe der Schnittlinie sich von rechts oben nach links unten erstreckt. Dementsprechend befindet sich die linke Tragfläche auf einer bedeutend geringeren Höhe als die rechte. Das Flugzeug begann, sich entgegen dem Uhrzeigersinn zu drehen. Hier ebendies noch einmal in Großaufnahme.
Die auf dem Foto zu sehende Starkstromleitung wurde beim Absturz des Flugzeugs beschädigt. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war sie jedoch bereits wieder repariert worden. Hier ein Foto derselben Stelle, aufgenommen im Winkel zur Fluglinie des Flugzeugs. In der Mitte des Bildes ist der schräge Abbruch der Bäume gut zu sehen.
Dann zerreißt das Flugzeug zwei Stromleitungen (Zone 9).
Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Strommasten beschädigt worden sind. Eine der Stromleitungen ist noch nicht wiederhergestellt.
Ein Stück der bei dem Zusammenstoß mit der Birke abgerissenen Tragfläche fand sich zehn Meter von einem der Strommasten entfernt.
Hier das Stück aus einem anderen Blickwinkel (aus dem Internet)
Nachdem das Flugzeug eine Reihe von Stromleitungen gekreuzt hatte, flog es durch ein kleines Birkenwäldchen, wobei es sich noch weiter auf die linke Seite legte und leicht nach links vom Kurs abwich (Zone 10). Die Fotoaufnahme wurde entlang der Fluglinie des Flugzeugs und in dessen Anflugrichtung auf die Start- und Landebahn gemacht. Auf dem Foto ist zu sehen, dass der Winkel der linken Schlagseite des Tragflächenflügels etwa 45 Grad beträgt.
Die intensive Drehung des Flugzeugs entgegen dem Uhrzeigersinn lässt sich kaum allein durch den Abbruch eines Teils der linken Tragfläche erklären. Wahrscheinlicher ist, dass bei dem Zusammenprall die Lande- oder Spaltklappen beschädigt wurden. Die Stellung der Klappen beschleunigte die Neigung nach links, ganz abgesehen davon, dass die Tragkraft der intakten Tragfläche jetzt natürlich größer ist, als die der beschädigten Tragfläche. Alle diese Faktoren bewirkten zusammengenommen die kräftige Drehung des Flugzeugs gegen den Uhrzeigersinn im weiteren Verlauf des Flugs. Die Bewegung des Flugzeugs glich der komplizierten Kunstflugfigur «Fassrolle», ausgeführt in geringster Höhe. Nach dem Zusammenstoß mit der Birke verloren die Piloten somit die Kontrolle über das Flugzeug.
Hier einige weitere Fotografien der Bäume in Zone 10. Mit der beschädigten Tragfläche rammte das Flugzeug eine große Tanne und dann noch eine Birke. Jetzt kam das Flugzeug auch stark vom Kurs ab.
Die Fläche der abgeschlagenen Bäume ist relativ klein.
Das Flugzeug gewann allmählich weiter an Höhe. Das ist auf den Fotografien der Zone 10 zu sehen. Die Bilder wurden von Süden her und in einem Winkel von 90 Grad zur Fluglinie aufgenommen.
Und hier ein Panoramabild aus derselben Perspektive, zwei Wochen später aufgenommen.
Auf dem Foto ist sehr gut zu sehen, wie das Flugzeug von Zone 6 bis Zone 12 an Höhe gewann.
Währenddessen legt sich das Flugzeug weiter auf die Tragfläche und hat in der Zone 11 bereits eine Schlagseite von fast 90 Grad (Die Tragflächen stehen fast senkrecht in der Luft). Auf diese Weise gelingt es dem Flugzeug immerhin zwischen den Bäumen hindurch zu fliegen, ohne sie zu beschädigen.
Das Flugzeug verlässt die Zone 11 mit einer Schlagseite von mehr als 90 Grad. Jetzt ist die Höhe des Baumabbruchs auf der linken Seite höher als rechts, d.h. jetzt befindet sich die linke Tragfläche rechts und die rechte Tragfläche befindet sich links.
Von dem Moment an driftet das Flugzeug links vom Kurs ab. Ursache dafür ist die Veränderung der Richtung der Auftriebskraft. Sie wirkt in einem Winkel von 90 Grad zur Tragfläche. Sobald die Tragfläche vertikal in der Luft steht, wirkt die Auftriebskraft in einer zum Boden parallelen Richtung. Sie hebt das Flugzeug nicht hinauf, sondern drängt es horizontal vom Kurs ab, und zwar mit derselben Stärke, mit der sie üblicherweise das Flugzeug steigen lässt. Folglich gerät das Flugzeug schnell nach links vom Kurs ab, der es zur Start- und Landebahn führen sollte.
Der Baum in Zone 12 ist in einem Winkel von über 90 Grad zur normalen horizontalen Lage des Flugzeugs abgebrochen worden.
Der Baum wurde vom am tiefsten liegenden Teil des Flugzeugs beschädigt. In der verdrehten Lage ist das am tiefsten befindliche Teil das Höhenruder. Der unbeschädigte untere Ast des Baumes zeugt davon, dass das Ende des Höhenruder über ihn hinwegflog. Der Ast befindet sich ungefähr 7 Meter über der Erde. Hinzuzurechen sind die Länge des Höhenruders und die Höhe des Seitenruders. Das bedeutet, der Rumpf des Flugzeugs befand sich über der Zone 12 bereits in einer Höhe von nicht weniger als 15 Meter.
Zu denselben Schlussfolgerungen geben die Fotoaufnahmen der Pappel am äußersten Ende der Landstraße Smolensk-Petschersk (Zone 13) Anlass.
Der absolut glatte Abbruch der Bäume bedeutet, dass er durch das Höhenruder verursacht wurde. Das Gesamtlänge des Höhenruders beträgt 13 Meter.
Auf den Bildern ist außerdem der Winkel der Schlagseite des Flugzeugs während des Momentes, als es die Landstraße überquerte, zu erkennen. Die Behauptung bestätigten Fotoaufnahmen, die etwas später von der anderen Seite der Straße gemacht wurden.
Die Linie des Baumabbruchs wird hier etwas flacher. Das bedeutet, dass die Piloten versucht haben müssen, das Flugzeug um 180 Grad zu drehen. Außer der gleichmäßigen Schnittfläche an den Bäumen sind auch chaotische Beschädigungen zu verzeichnen. Das heißt, dass einzelne Teile des Flugzeugs sich lösten. Durch die Zusammenstöße mit den Bäumen wurde das rechte Höhenruder abgerissen (entsprechend der Rückenlage des Flugzeugs befand es sich links von der Fluglinie). Das Höhenruder ist von der Landstraße aus gut zu sehen.
Nachdem das Flugzeug die Wipfel der Pappeln abgerissen hatte, flog es einige Zeit über der Lichtung, ohne dass Bäume beschädigt wurden. Auf dem Foto sind zwei Schnittlinien zu sehen, die von der Tragfläche bzw. vom Höhenruder stammen.
Die Landstraße hinter sich lassend, drehte sich das Flugzeug um etwa 180 Grad. Die Auftriebskraft der Tragfläche zog es jetzt nach unten. Das Flugzeug begann schnell zu sinken und schlug auf dem Boden auf.
Solange sich am Ort der Katastrophe die Überreste des Flugzeugs befanden, war es nicht erlaubt zu fotografieren. Absperrungen behinderten den Zugang zum Unglücksort. Darüber, wie der Ort aussah, geben Videos Auskunft, die gleich nach dem Absturz aufgenommen wurden. Ich habe aus den Videobildern ein Panorama vom Absturzort zusammengestellt.
Der Ort der Tragödie wurde bereinigt und sieht jetzt so aus.
Um die Überreste des Flugzeugs zu beseitigen, war die Landstraße gesperrt worden. Am Fuß der großen Birke, die fast im Zentrum des Absturzortes steht, liegen jetzt Blumen und brennen Kerzen.
Nicht weit vom Absturzort entfernt hat man ein Wahrzeichen errichtet.
Das geschah alles bereits etwas später. In den ersten Tagen nach der Tragödie durfte die Bevölkerung den Unglücksort nicht betreten. Deshalb legten die Trauernden Blumen und Kränze neben dem Straßengraben ab. In jenen Tagen legten nicht nur Polen Blumen nieder und beteten, sondern auch Hunderte Smolensker. Es gab kaum jemanden, dem der Tod der Passagiere gleichgültig gewesen wäre.
Das gilt nicht nur für die Tage unmittelbar nach der Katastrophe. Ich war vor drei Tagen am Unglücksort. Immer noch kommen die Menschen hierher, legen Blumen nieder und beten.
Wie zuvor brennen am Ort der Tragödie Kerzen.
Abermals mein herzlichstes Beileid und meine aufrichtige Anteilnahme allen Verwandten und Freunden der Verunglückten!
Die von mir in diesem Blog verwendeten Fotoaufnahmen stammen aus der Galeri Picasaweb
Außerdem sind alle Fotos, die ich am Ort des Geschehens aufgenommen habe, in hoher Auflösung auf dem Fileshare zugänglich (194 Foto, 270 MB)
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